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Theologie.

[3068] Zeitschrift für die historische Theologie. In Verbindung mit der von C. F. Illgen gegründeten historisch-theologischen Gesellschaft herausgeg. von Dr. Chr. W. Niedner, ord. Prof. d. Theol. an d. Univ. Leipzig. 19. (Neuer Folge: 13.) Band. Leipzig, Brockhaus. 1849. VI u. 662 Š. gr. 8. (n. 4 Thlr.)

Dem Berichterstatter über den Inhalt des Jahrgangs 1848 dieser in ihrer nunmehrigen Entfaltung für die gesammte Theologie so wichtigen und auch in den letzten gewaltigen Stürmen unserer Tage ununterbrochen erschienenen Zeitschrift in diesen Blättern (Jahrg. 1849. No. 866) gereicht es zu besonderer Freude, dass ihm die Anzeige des zuletzt wieder zum Abschluss gekommenen Jahrganges für 1849 übertragen worden ist, und er ist überzeugt, dass das Ergeboiss derselben bei Allen, die sich für die in der Zeitschrift für die histor. Theologie“ vertretenen Studienkreise interessiren, kein anderes sein könne, als aufrichtige Anerkennung des Verdienstes, mit welchem der Herausg. durch umsichtige Auswahl der aufzunehmenden Beiträge die jährlich fortschreitende Sammelschrift zu einem ungemein reichhaltigen Magazin für Religionsgeschichte überhaupt und christl, Kirchengeschichte insbesondere zu erheben beflissen ist. Auch dieses Mal ist uos für die zwischen den Angaben der einzelnen Aufsätze einzuscbaltenden Bemerkungen nur ein beschränkter Raum verstattet. Ihre Reihenfolge ist nachstehende: 1. Heft: 1. Ed. Schmid, des Flacius Erbsünde-Streit, historisch-literarisch dargestellt (S. 3–78. Schluss des Aufs. Heft 2. S. 218–279). Ein mit Fleiss vod durchgreifender, namentlich durch die Bibliotheken in Jena und Weimar geförderter Literaturkenntniss durchgeführter dogmenhistorischer Aufsatz. Die 1. Abth. führt nach einer kurzen, den Hauptgegenstand des Streits selbst kritisirenden Einleitung die Literalur vor, gibt dann, gleichsam als Vorspiel des tragischen Drama's des Erbsündestreites, eine ganz ins Specielle gehende Darstellung des synergistischen Streites und führt von da auf die erste Veranlassung zum Streit, über die Erbsünde, seine Einzelnheiten zunächst bis zum weimarischen Convent v. J. 1571 entwickelnd. In der 2. Abth. wird dieser höchst anschaulich durch die verschiedenen Phasen, in welche er durch Confrontationen und Einholung von Gutachten, durch Verhandlungen, Disputationen und Colloquien in Wei1850. III.

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mar, Jena, Strassburg, Mansfeld, Langenau, Lindau, Sangerhausen 1. s. w. bis zur Finalentscheidung durch die Concordienformel durchgeführt. Man sieht, wie in der Hitze der Disputationen immer ein Irrthum den andern erzeugt; und man kann es sich kaum verbergen, dass in dem ganzen Streite viel leeres Stroh gedròschen wird. Aber dessenuo chtet möchte Ref. nicht sofort dem Vf. beitreten, der in der Einleitung erklärt, das Dogma von der Erbsünde rube auf keinem festen Grunde und die reine Christuslehre wolle von ihr durchaus nichts wissen, indem Jesus sie nicht erwähne. Allerdings nicht κατά ρητόν ; aber doch κατά διάνοιαν. Denn ruht nicht offenbar das Bekenntniss des 2. Art. der Augustana auf des Herrn Wort Job. 3, 3–4, dass man sagen muss: das Gute habe das Recht im Menschen, aber die Sünde die Gewalt. Man möchte sich fast wundern, dass der Vf. bei den von ibm angeführten Grundansichten sich gerade zur Bearbeitung eines für ihn mehr als für Andersgesinnte unerquicklichen Streitgegenstandes habe geneigt finden kön

II. J. C. G. Johannsen, Friedrich’s des Grossen Religion und Toleranz; aus seinen Werken dargestellt (-165). Die Vertheidigung Friedrich's d. Gr. gegen die Anklage der Irreligiosität und des Indifferentismůs, welche Raumer in der am 28. Jan. 1847 gehaltenen, so fatal gewordenen akademischen Rede bündigst führte, wie es nur die eng gesteckten, blosse Andeutungen zulassenden Gränzen einer solchen erlauben, wird hier aus Friedrich’s Werken weiter ausgeführt. Die Anklagen, die theils gegen den Menschen, theils gegen den König gerichtet waren, werden in ihrer Unhallbarkeit nachgewiesen, und dabei theils des Angegriffenen persönlicher religiöser Standpunct, theils die später von ihm angenommenen Regierungsgrundsätze ausführlich dargelegt. So überzeugend der Vf. seine Aufgabe mit vieler Belesenheit durchgeführt hat, so lässt sich doch leider der unberechenbare Schade nicht ableugnen, den. Friedrich der evangelischen Kircbe durch seine skoptische Behandlung der kirchl. Angelegenbeiten, durch seine höchst parteiische Eingenommenheit gegen die Theologen uod Geistlichen, die er kaum anders, als Pfaffen und Schächer (nach seiner Schreibweise: Fafen und Cheker") nannte, zugefügt hat, dass man, und gewiss nicht mit Unrecht, ihm einen nicht geringen Theil des Unheils, welches die Kirche getroffen hat, zur Last legen muss. - III. K. Klunzinger, das Religionsgespräch zu Maulbronn 1564, actenmässig dargestellt und kritisch belenchtet: (-171). Da sich das zu Heidelberg im J. 1565 gedruckte Protocoll der in Rede stehenden Verhandlung seiner Wiederholungen und Abschweifungen wegen schwer liest, so wird die kurze hier gegebene Uebersicht willkommen sein, besonders da sie auch einige Bemerkungen über das Oertliche gibt, und ihrer Kritik das Lob der Unparteilichkeit gebührt, 2. Heft: IV. J. K. Seidemann, theolog. Briefwechsel zwischen Landgraf Philipp von Hessen und Herz. Georg von Sachsen aus d. Jahren 1525 - 27 (-217). Den Hauptinhalt dieser anziehenden, oft das Herz wirklich ergreifenden Correspondenz, die hier zuerst nach den Autographen gedruckt

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erscheint, bilden die Bemühungen Philipps, seinen Schwiegervater Georg für das Reformationswerk, zu gewinnen, was ihm bei dem Starrsinne des in Angriff Geoommeoen bekanntlich wenig glückie. Man muss über die tiefe Einsicht des Landgrafen in Glaubenssachen erstaunen und lernt ihn, dessen Geist und Herz von dem frischen Weben seiner Zeit so cht voll war, auch hier, wie anderwärts, recht lieb gewinnen. - V. S. oben unter I. – VI. A. Ebrard, die Entstehung und erste Entwickelung der Presbyterialverfassung in der reformirten Kirche Frankreichs in den Jahren 1559-65 (316). Das an sich interessante Thema wird diess gerade in unserer Zeit doppelt, wo das Wort „, Presbyterialverfassung" so oft gehört und unter dem Namen derselben so laut nach einer demokratischen Kirchenverfassung und Kirchenleitung, einer Repräsentativverfassung der Kirche auf breitester demokratischer Gruodlage verlangt wird. Auch hier wird sich die Geschichte vergangener Dioge als die edelste Lehrmeisterin für künftig zu Unternehmendes bewähren; denn es stellt sich aus den Mittheilungen des Vfs. heraus, dass die altreformirte Presbyterialverfassung von den Freunden der Demokratie in kirchlichen Dingen unverdient gelobt und von den Gegnero derselben eben so unverdient getadelt wird, und fiir Das, was die evang. Kirche Deutschlands in unsern Tagen zu ihrem wahren Heile anzustreben habe, findet sich hier mancher wiehtige Fingerzeig. - VII. Bilfinger, die drei jüdischen Secten: Pharisäer, Sadducier, Essier (-334). Eine fleissige und verdienstliche Zusammenstellung des reichen Apparats über dieses Thema, die indess im Wesentlichen etwas Neues nicht bringt. Der Gang, den der Vf. nimmt, ist folgender: Entstehung dieser Secten (Fingerzeige im A. T.; Skizze der jüdischen Geschichte in den letzten 3 Jahrh. v. Chr. Momente, welche auf die Secten einwirkten); Darstellung derselben in doctrinaler Hinsicht; vergleichende Zusammenstellung derselben unter sich, mit ähnlichen Erscheinungen des Heidenthums, mit solchen im Christenthume. 3. Heft: VIII. C. Guil. Niedner, de subsistentia to telo dóyo apud Philonem Judaeum et Joannem Apostolum tribula (-381). Der Hauptpunct, um den es sich bei dieser gelehrten Untersuchung, die zuerst als Programm zum Pfingstfeste 1849 erschien, handelt, uod der sie als wichtig und zeitgemäss empfiehlt, ist in den Worten enthalten: „Quum paene cuncti subslantiam a Deo discretam ròn trĩov hóyov apud Philonem dici censuerint, non rectius tamen Philonea του Θεού el του λόγου distinctio ad subjectivam tantum, quae appellari consuevit, intellectus humani conceptionem ab aliquo revocala est. Cuncti autem totam loci tractationem per scriptoris judaici dissolutam philosophandi rationem impediri ae parum sibi constare contenderunt. Ex mea quidem sententia utrinque secus est. Tòv telov hóyov a Philone dici arbitror non aliam praeter Deum substantiam, sed ipsum noum Deum, quatenus in manifestatione sui tanquam prodierit, itaque modum subsistendi alium quam quo per se est susceperit

. Ex hoc etiam gravitas quaestionis tractandae conspicitur et ejus quidem secum complectentis tolum qui de trinitate et de divina Christi natura

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est locum. Qui locus non in tantam desperationem et contentionem
abiisset, si acutiorum quorumque omnis temporis philosophorum ac
theologorum rationem sequeremur.“ Die Beibehaltung des - latei-
nischen Idioms kann nur gebilligt werden. Schlimm genug, dass man
dem sarkastischen Hiebe des Vfs., der in den Worten enthalten ist:
„Non tam opportunitas oblata, quam necessitas imposita de aliquo
academicae doctrinae loco separatim itaque frustra scribendi"
das Treffende nicht absprechen kann! - IX. F. A. Holzhausen,
Georg Wizel und die kircbl. Union (-415). Wizel, der bereits im
Reformationszeitalter auf eine Wiedervereinigung des Protestantismus
mit dem Katholicismus binarbeitete und daher von lutherischer Seite
als. Apostat angesehen ward, ist noch immer nicht vollständig gewür-
digt. Mit Rüeksicht auf Neanders Programm: De Georgio Vicelio
ejusque in ecclesiam evangelicam animo (Berol. 1839) werden hier
unter Benutzung mehrerer in der Univ.-Bibliothek zu Göttingen vor-
handener Schriften Wizels, die weder Neander, noch Strobel gekannt
haben, erhebliche Beiträge zu dieses Mannes Leben geboten. Schon
die aus diesen Schriftstücken sich ergebende Discrepanz, in welcher
der Vf. mit Neander sich befindet, wird uns hoffentlich bald zu einer
vollständigen Biographie W.'s verhelfen, der es wegen der von ihm
vertretenen unionistischen Richtung nicht an vielfachem Interesse
fehlen kann; denn immer wird für das Endziel des Unionswerks die
Geschichte als vorzüglichste Lehrerin dienen müssen. Wir wünsch-
ten, dass Holzhausen auf Das, was Rienä сker über Georg Wizel
(im Kircheohistor. Archiv von Stäudlin, Tzschirner und Vater v. J.
1825 S. 312-380 und 1826 S. 17–51) gesammelt hat, Rücksicht
genommen hälte.

- X. H. Heppe, Urkundliche Beiträge zur Geschichte der Reformation in Trier im J. 1559 (-444). Der Bericht, welcher hier über die Ereignisse erstattet wird, welche mit den Erwachen des protestantischen Lebens zu Trier im J. 1559 in Zusammenhange standen, kann als ein authentischer betrachtet werden, da er auf einem grossen Vorrathe von Urkunden beruht, welche der Herausg., dem wir schon so manche Aufklärungen der Reformationsepoche aus Actenstücken verdanken, in der Einleitung zu seinem Referate päher bezeichnet. Durch die hier gegebene Darstellung wird die Verdrehung des einfach geschichtl. Sachverhalts durch Marx in seiner Schrift: Caspar Olevian u. s. w. (Trier, 1846) klar ans Licht gestellt. – XI. M. Kirchhofer, Wie die Ulmer auf dem Reichstage

. zu Speyer sich verantworten sollen (-467). Die Reformationsgeschichte Ulms, das nach Aussen und Tonen für die freisinnigeren Zeitbewegungen nicht günstig gelegen war, erhält hier eine sehr werthvolle Bereicherung. Der Beistand nämlich, welchen die schweizerischen Reformatoren damals den Ulmern leisteten, als sie in den Fall kamen, auf dem Reichstage ihr Verhalten' zu verantworten, wird in seinem ganzen Umfange hier detaillirt; dabei sind die darüber sprechenden archivalischen Urkunden zum ersten Male in extenso mitgetheilt. – XII. Ch. W. Spieker, Des Johannes Musculus, Pfarrers in der Lebuser Vorstadt zu Frankfurt a. d. 0. Landes

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