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durch Werke, welche in dem 1553 von den Türken eroberten Ofen verschleppt und verhandelt worden waren. So konnte in der That Thomas Bartholinus in seiner Dissertatio de incendiis bibliothecarum sagen: »...

.. bibliotheca Cronstadtiensis ... quo magis instructa atque ornata eadem exstitit, quippe quin ea ex bibliotheca Budensi egregio manuscriptorum thesauro locupletata maximam partem libris majoris ordinis superhiret. Kein Zweifel, dass ausser der Ofner im XVI. Jahrhunderte keine reichere Bibliothek Ungarns und Siebenbürgens bestanden habe als jene im Burzenlande. Der furchtbare Brand vom 21. April 1689, welcher Kronstadt heimsuchte, zerstörte leider auch die „Liberie“; nur sehr Weniges konnte gerettet werden, wie mehrere eigenhändige Briefe Melanchthon's und Luther's u. a. m. Erst in der Neuzeit hat die Kronstädter Gymnasialbibliothek wieder einen nicht unbedeutenden Zuwachs erhalten. Der 1793 als Honigberger Pfarrer verstorbene Paulus Roth, früher längere Zeit Gymnasialrector, welcher auf städtische Kosten drei Jahre in Jena studiert hatte, vermachte der Anstalt seine Bibliothek von 1500 Bänden; ferner schenkte der Hauptmann Johann von Seulen ausser 700 Bänden die angekaufte Bibliothek Jos. Carl Eder's; überdiess geschahen auch später mehrere Stiftungen und Vermächtnisse, so dass gegenwärtig die Kronstädter Gymnasialbibliothek über 7000 Bände und ausserdem Manuscripte und damit in Verbindung stehende Sammlungen von Mineralien, Münzen, etc. aufzuweisen hat.

Die zweitgrösste sehr reichhaltige Bibliothek des Landes war die von Gabriel Bethlen zu Weissenburg angelegte, welche jedoch schon 1058 in dem bekannten Unglücksjahre ein Raub der Flainmen wurde.

Die drittgrösste dürfte die des Hermannstädter Gymnasiums gewesen sein, hauptsächlich durch die Munificenz des Sachsengrafen Albert Huet 1592 gegründet. Sie enthält mehrere Incunabeln, meist theologische Werke, liegt aber gegenwärtig ganz unbenützt und ungeordnet in einer ehemaligen Kapelle, welche sich neben dem Gymnasialgebäude befindet. Die neuere Schulbibliothek ist davon gesondert und ziemlich gut versehen.

Die viertgrösste war die Collegialbibliothek zu Enyed; diese war grösstentheils aus den Vermächtnissen der dortigen Professoren Párizpápai, Borosnyay, Szathmári, Bod, Ajtai u. a. m. entstanden.

Aehnlich dotirt, doch weniger gut ausgestattet waren auch andere Schulbibliotheken, namentlich die reformirten zu Klausenburg und Máros - Vásárhely u. s. f. Die katholische Gymnasial- (Lyceal-, Bibliothek zu Klausenburg wird sonderbarer Weise noch heutzutage als Landesbibliothek betrachtet, und es muss daher jetzt noch wie ehemals dieser Anstalt ein

Pflichtexemplar von jedem im Lande erscheinenden Druckwerke abgeliefert werden.

Oeffentliche Bibliotheken, welche einer allgemeineren Benützung zugänglich sind, entstanden in Siebenbürgen erst gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts, nämlich die Gräflich Bathyány'sche (bischöfliche) zu Karlsburg, die Gräflich Teleki'sche 21 Máros - Vásárhely und die Freiherrlich Bruckenthal'sche zu Hermannstadt.

Die reichhaltigste von diesen ist die Gräflich Teleki'sche, die ausser vielen MSS. u. a. m. über 60,000 Bände umfasst. Der hochherzige Stifter, Hofcanzler Samuel Teleki de Szék (geb. 17. Novbr. 1739, gest. 7. August 1822), hat selbst den ersten wissenschaftlichen Katalog kerausgegeben. - Die Freiherrlich Bruckenthal'sche steht mit einer werthvollen Gemälde-, Mänzen- und Antikensammlung in Verbindung und enthält zur Zeit nahe an 30,000 Bände, worunter insbesondere 126 MSS. Bände aus der sog. Michael Bruckenthal’schen Bibliothek für den Siebenbürgischen Historiker manche Ausbeute an schätzbaren Urkunden etc. bieten. Leider ist kein Katalog von dieser Bibliothek vorhanden. Der Stifter, der ehemalige Gouverneur von Siebenbürgen, Samuel Freiherr v. Bruckenthal, hat in seiDem Testamente vom 3. Jan. 1802 eine Bestimmung aufgenommen, die als Zeugniss beabsichtigter Benützung angesehen werden kann. Die Stelle des Testamentes lautet: „Ich nehme im Falle des Erlöschens der Bruckenthal'schen Familie von meinem Vermögen aus: die Bibliothek, die Bilder und Kupferstiche, dann die Mineralien-, Antiken- und Münzen-Sammlungen, als welche ich hiermit in ihrer Vollständigkeit zusammt dem dazu ausgesetzten Unterhaltungs-Kapital von 36,000 Gulden auf den eintretenden, jetzt gemeldeten, Fall, zum immerwährenden Eigenthum des Hermannstädter evangelischen Gymnasiums ausdrücklich gewidmet, legieret und unwiderruflich geschenkt haben will.“

Unter den Privatbibliotheken sind zu nennen die der Grafen Joseph und Samuel Kemény, welche als Eigenthum des zu errichtenden Siebenbürgischen Landesmuseums angesehen werden können, die Freiherrlich Wolfgang Wesselényi'sche zu Hadad und die Wolfgang Cserei'sche zu Kraszna. Es unterliegt keinem Zweifel, dass mit der Herstellung eines Siebenbürgischen Landesmuseums zu Klausenburg wofür bereits Graf Emerich Mikó ein reizendes Sommerpalais gewidmet hat – sehr viele private Bücherschätze und Manuscripte dieser wissenschaftlichen Anstalt zukommen und endlich das so manigfach zerstreute Material mehr gesammelt werden wird. Eben im letzteren Interesse wäre aber zu wünschen, dass das Siebenbürgische Landesmuseum eher in Maros - Vásárhely, in wenn auch nur

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äusserer Verbindung mit der dortigen Teleki'schen Bibliothek, errichtet werden möchte; denn so gross die Vortheile mehrerer hier und da zugänglicher Lehr- und Lernmittel erscheinen, ist doch die Zersplitterung derselben in Siebenbürgen eines der wesentlichen Hindernisse seines wissenschaftlichen Fortschrittes.

[4.] Beiträge zu einer Bibliothek des Unsinns.

Man ist in neuerer Zeit, wo man den Werth der Bibliographie mehr als früher schätzen gelernt hat, viel damit beschäftigt gewesen, alle mögliche Arten von Bibliographien zusammenzustellen. Eine Art hat man jedoch ganz vergessen, nämlich eine Bibliographie des Unsinns, d. h. ein Verzeichniss solcher Schriften, die von Geistig-Verschrobenen oder vielmehr Verrückten herausgegeben worden sind. Bei der Besichtigung einer Privatbibliothek fand ich eine Kapsel mit verschiedenen Brochuren, welche die Aufschrift Unsinn" trug. Wenn ich nun auch nicht behaupten mag, dass Das, was der Besitzer. der Bibliothek zu Unsinn gestempelt hatte, auch von jedem anderen Vernünftigen dafür gehalten werden dürfte, so giebt es doch Manches, worüber gewiss kein Vernünftiger in Zweifel sein kann, dass es in die Kategorie des völligen Unsinns gehört. Dahin sind z. B. die angeblich von Gott selbst den Verfassern in die Feder dictirten Schriften zu rechnen, von denen ich hier, um mit einer Bibliographie des Unsinns den Anfang zu machen, ein paar neuere Erscheinungen anführen Ihr Verfasser, ein Mann aus dem Arbeiterstande, der sich eines unbescholtenen Rufes erfreut, hat leider die fixe Idee, von der Gottheit dazu berufen zu sein, seinen Mitmenschen ausserordentliche Eröffnungen zu machen.

Außerordentliche Eröffnungen über die natürliche und geistige Beschaffenheit des Planeten Saturnus nebst dessen 3 - getheiltem Ning' und 7 Monden, so wie über die Beschaffenheit, das Grundsein und Leben der darauf befindlichen Wesen 2c. 2c. 2c., zunächst für Astronomen, eines höheren Blicks fähige Naturforscher und ein die Weicheit des ewig Alles Wissenden und was, wenn und wie kundgeben Könnenden in reiner Kindlichkeit des Herzens lieben- und verehrendes Publikum herausgegeben von Johannes Busch. Meißen, Mosché in Comm. 1855. 8. XII, 164 S.

Im Namen und Auftrage des Wissens und Willens der gnadenreichen Weisheit und Liebe des Herrn allen unglaubens- und vorurtheilsfrei Denkenden gewidmet vom Herausgeber.

Außerordentliche Eröffnungen über die natürliche und metaphysische oder geistige Beschaffenheit der Erde und ihres Mittelpunctes, mit besonderem Bezug auf das Grundsein, sowie auf Bestimmung, Leben und Ziel der in, auf und in den Luft- und Aether - Regionen über ihr befindlichen

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Beien 2c. 20. 2c., zunächst für grundlichtfähige Natur- und Seelenforscher, wie auch für ein die Weisheit des von Urewigkeit her Alles Wissenden and was, wenn und wie gnadenvollst kund geben Könnenden in unbefangener, besonnenst-freier Lebendigkeit des Herzens d. i. nach Geist und Sinn des heiligen evangelischen Worts hellstglaubend lieben und verebrendes Publicum herausgegeben von Johannes Busch. Meißen, Mosché in Comm. 1856. S. VIII, 264 S.

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Im Namen und Auftrage des Wissens und Willens der guadenreichen Weisheit und Liebe des Herrn allen unglaubens- und vorurtbeilsfrei Tenkenden gewidmet vom Herausgeber.

Belehrungen der ewigen Liebe und Weisheit über das lebendige Wort, die Wiedergeburt des Geistes, den Geist und die Materie. Von einem dadurch Heweckten und Erleuchteten aus zum Theil noch ungedruckten umsassenderen Eröffnungen ausgezogen und zusammengestellt, und zur Betrachtung, tiefgeistigen Prüfung und erkenntnißgemäßen Beachtung für Freunde der Babrheit von Oben herausgegeben von Johannes Busch. Meißen, Mosché in Cemm. 1856. S. 100 S.

Im Namen des ewig lebendigen Worts allen kraft Dessen tiefstgeist-wesentlich-Frei-Gläubigen gewidmet vom Herausgeber.

Zur Charakterisirung dieser Ergüsse der grössten geistigen Verschrobenheit oder, richtiger gesagt, Verrücktheit und des Insinnes, die als unmittelbar von Gott selbst dem Verfasser in die Feder dictirte Offenbarungen ausgegeben werden, und durch welche die armen und unglücklichen Erdenbewohner unerhörte Aufschlüsse und noch nie bekannt gewordene Mittheilungen erhalten sollen, diene eine Stelle aus dem Schlusse der Schrift über den Saturnus. Auf die Frage, welche ein oder der andere Schwachsichtige aufwerfen könne, wozu denn so ganz eigentlich die ganze Mittheilung über diesen Planeten nützen solle, lässt Gott den Verfasser Folgendes antworten: „Da sage Ich nichts anderes, als allein nur das: Für's Erste solle sich ein Jeder, der diese Mittheilung gelesen hat, ein recht tüchtiges Beispiel nehmen, wie ganz anders die Bewohner dieses Planeten Meinen Willen respectiren, denn die Menschen dieser Erde, und für's Zweite solle er aber auch aus dem Ganzen erschauen, wie da Meine Weisheit, Liebe, Macht und väterliche Sorgfalt beiweitem weiter hinausreicht, als es sich der hochtrabende Menschenverstand je in seinen thörichten Sinn kommen lassen kann, und für's Dritte aber solle eben diese Betrachtung den Menschen dieser Erde zur vollsten Demuth leiten, aus welcher er erschauen soll, wer er ist, und wer Ich, sein Gott, Schöpfer und Vater, bin; und solle dabei sich auf die Brust klopfen und darüber nachdenken, welch grösste Gnade und Erbarmung ihm dadurch zu Theil geworden ist, dass Ich, der alleinige Herr und Schöpfer solcher Wunder

werke, es Mir habe gefallen lassen wollen, die Erde, diesen kleinen, schmutzigen Planeten, zu erwählen zur Geburtsstätte Meiner unendlichen Liebe, Erbarmung und Gnade, und somit aller Fülle Meines göttlichen Wesens ! Aus diesem Grunde will ich noch die Sonne, wie auch noch einige andere Planeten, wenn schon nicht so ausführlich, so aber doch auch in aller Kürze genügend beschauen lassen; - und mit dieser jetzt ausgesprochenen Verheissung soll auch diese Mittheilung beschlossen sein. – Mein Segen, Meine Liebe, Gnade und Erbarmung mit ihr, Amen!

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Litteratur und Miscellen.

Allgemeines. [5.] Serapeum. Zeitschrift für die Bibliothekwissenschaft, Handschriftenkunde und ältere Litteratur. Im Vereine mit Bibliothekaren und Litteraturfreunden herausgegeben von Dr. Robert Naumann. Jahrg. XVII. Leipzig, T. O. Weigel. 1856. 8. Monatlich 2 Nrr. à 1 B. Hauptbl. u. \ B. Intelligenzbl. Pr. n. 4 Thlr. 15 Ngr. (S. Anz. J. 1856. Nr. 765.)

Inhalt des Hauptblattes: Nr. 21. p. 321-27 Die Bibliothek der Kaiserlich Leopoldino - Carolinischen Academie der Naturforscher (in Poppelsdorf bei Bonn). Von dem Geheimerathe Neigebaur. Eine ganz willkommene Nachricht über die werthvolle, c. 12,000 Bde starke Bibliothek, die viel weniger, als sie es verdient, bekannt zu sein scheint. p. 327-29 Zur neuesten Kritik über Einrichtung und Katalogisirung von Bibliotheken. Von J. G. Seizinger in Nürnberg. Eine Replik des Verf.'s gegen die seiner ,,Bibliothekstechnik“ von Seiten des Bibliothekars Stenglein widerfahrene ungünstige Kritik (s. Anz. J. 1856. Nr. 369). p. 330—33 Milites literati. Vom Archivar Herschel in Dresden. Betr. den in der Dresdner Königl. Bibliothek befindlichen handschriftl. Liber militaris des Leonhardus Brunus Aretinus. p. 333–36 Mythographie im Mittelalter. Von Demselben. Betr. drei ebenfalls in Handschriften der Dresdner Bibliothek befindliche Tractate: Tractatus de diis gentium et fabulis poëtarum, Carmen trium Parcarum 1. Carmen novem Musarum. p. 336 Bibliothekchronik und Miscellaneen. Enth. ein paar Angaben über ältere Handschriftenpreise. Das Intelligenzblatt enthält Nr. 21. p. 61-65 die Fortsetzung des Abdrucks von: Ausstellung von Cimelien der Stadtbibliothek zu Leipzig.

[6.] Bulletin du Bibliophile Belge, publié par F. Heussner, sous la direction de M. Aug. Scheler, bibliothécaire du Roi. Collaborateurs principaux: MM, Ch. de Brou, G. Brunet, président de l'Académie de Bordeaux, U. Capitaine à Liége, R. Chalon, E. Gachet, H. Helbig å Seraing, Xavier Heuschling, F. L. Hoffmann à Hambourg, Al. Pinchart,

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